Lübecker Nachrichten 19.02.2015

Zeitungsartikel
Lübecker Nachrichten 19.02.2015


Petersdorf a. F. Eine verwaiste Dorfschule beflügelt die Westfehmaraner. Noch ist die Euphorie groß, dass es nach dem Aus für die Grundschule im Sommer 2014 dort nicht zum Stillstand kommt. Zwei Konzepte für die Weiternutzung lagen Dienstagabend im Ausschuss für Kultur, Schule, Sport und Soziales vor — und berührten alle vier Themenfelder. Am Ende eines rund sechsstündigen Sitzungsabends stimmte die deutliche Mehrheit für das Konzept „Ein Haus für alle“ des Bürgervereines Kulturtreff Fehmarn.

Noch nicht aus dem Rennen ist aber ein starker Mitbewerber: der in Lichtenow bei Berlin ansässige Förderverein für Sport, Bildung & Soziales. Durch die Abteilung „Bushido“ ist er — unter der Leitung von Jörg König — mit Kampfsport- und Selbstverteidigungsangeboten bereits auf der Insel präsent. Mit bis zu 300 Teilnehmern findet 2015 auf der Insel bereits das vierte Kampfkunst-Sommercamp statt.

Vorsitzender Marcel Assmann erläuterte erstmals öffentlich die Grundpfeiler des Nutzungskonzeptes für die ehemalige Schule (in Kooperation mit der Stadt Fehmarn). Das Erdgeschoss soll für Kinder-, Sport- und Integrationscamps sowie Klassenfahrten genutzt werden. Die vorhandenen Klassenräume würden im Stil einer Jugendherberge mit Schlafsälen eingerichtet. Im Obergeschoss ist ein betreutes Jugendwohnen mit 15 bis 20 Plätzen angedacht — entweder in Vollbetreuung ab zwölf oder für Jugendliche ab 16 Jahre. Im hinteren Bereich könnten zwei bis drei Ferienwohnungen für sozial schwache Familien eingerichtet werden. Einschließlich der Turnhalle bot Assmann an: „Das ganze Vereinsleben könnte weiter bestehen bleiben.“ Er betonte außerdem: „Die Möglichkeiten für einen Rückbau bleiben bestehen“ — sollte die Schule doch zurückkehren. Assmann: „Die Immobilie ist ein Goldstück.“

Ähnlich sehen das auch Erik Fokel und Kolja Winkler, die den Kulturtreff-Gedanken erläuterten. Der Verein möchte die vielfältigen Impulse aus der Bevölkerung steuern. Die Grundidee ist, wie in den LN bereits ausführlich berichtet, ein täglich geöffneter „Bürgertreff“ als zentrale Begegnungsstätte und Ausgangspunkt für Veranstaltungen und alle Formen der Nachbarschaftshilfe. Mit vielen Facetten — getragen von den rührigen Vereinen, Gilden und anderen Initiativen. Workshops, Kreativkurse, Umweltwerkstatt, Demenzcafé oder Ausstellungen (Steinesammlung Vahle, Hendrix-Festival oder Rapsblütenfest) — die Ideenvielfalt ist enorm. Winkler warb um eine zweijährige Versuchszeit.

Das Problem für den Ausschuss: Niemand kennt genau die Details eines Verkehrswert-Gutachtens, das die Stadt in Auftrag gegeben hat, auch andere Kosten sind noch unklar. Ausschuss-Vorsitzende Marianne Unger (SPD) berichtete von 208 000 Euro als Instandsetzungsbedarf. Jetzt soll der Verein Kulturtreff kurzfristig eine Mindestraumbedarf-Planung vorlegen und Gespräche über eine Mitbenutzung durch den Mitbewerber führen.

Ehemaliges Schulgebäude: Wie geht es weiter?
Nächste Sitzung: Am 10. März tagt — voraussichtlich ab 19 Uhr im Burger Verwaltungsgebäude (Bahnhofstraße 5) — der Finanzausschuss Fehmarn.

Entscheidende Fragen: Finanzielle und gebäudetechnische Aspekte (Verkehrswert-Gutachten). Was wird aus der Lesehalle (sanierungsbedürftig)?
„Das Gutachten liegt uns leider noch nicht vor.“
Marianne Unger, Ausschussvorsitzende
Gerd-J. Schwennsen